Arnold von Allmen stellt in Niederbipp mit viel Herzblut die Instrumente der Marke "Bernatone" her.
IN SEINEM REICH: Arnold von Allmen ist täglich von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends in der Alphornwerkstatt anzutreffen.
Seit 15 Jahren baut Arnold von Allmen in seiner Werkstatt in Niederbipp Alphörner. Ans Aufhören denkt der 64-jährige Tüftler, der pro Jahr gegen 100 Instrumente herstellt, noch lange nicht.
ERWIN VON ARB
Über 1000 Alphörner hat Arnold von Allmen in seiner kleinen Werkstatt in Niederbipp schon hergestellt. Gespielt werden die typisch schweizerischen Instrumente aus dem Oberaargau fast auf der ganzen Welt, wie der 64-Jährige zu berichten weiss. Zu einem solchen zu kommen, ist allerdings mit Auflagen verbunden. So muss der Kunde vor der Bestellung mindestens einmal bei von Allmen eine Visite machen. Er verkaufe kein Instrument am Telefon oder im Internet. «Dafür investiere ich zu viel Herzblut in die Herstellung», sagt von Allmen mit Blick auf die in der ganzen Werkstatt verteilten Alphörner respektive deren Bauteile.
Mit 200-jähriger Bergfichte
Mit dem Bau von Alphörnern befasst sich von Allmen seit 15 Jahren intensiv. Vorher stellte er rund 20 Jahre Schwyzerörgeli her. Doch das gehört der Vergangenheit an, nun sind Alphörner seine Leidenschaft, wie von Allmen bemerkt. Er sei durch und durch ein Holzfanatiker, meint er auf seinen wichtigsten Baustoff angesprochen. Für den Instrumentenbau verwendet der Niederbipper ausschliesslich Bergfichte aus Habkern im Berner Oberland. Einmal jährlich macht er sich zusammen mit dem zuständigen Förster und dem dort ansässigen Sägereibesitzer auf den Weg, um im steilen Gelände geeignete Stücke auszuwählen. «Das Holz muss feinjährig sein, wenn es ein gutes Klangholz sein soll.» Dafür müsse die Bergfichte über 200 Jahre langsam in schattiger Lage wachsen können. 20 bis 30 Kubikmeter dieses ausgewählten Holzes sind im Berner Oberland stets für ihn am Lager. Bei Bedarf ruft von Allmen die für den Alphornbau benötigte Menge ab. Der Durchmesser der Baumstämme muss mindestens 80 Zentimeter betragen, um daraus ein Alphorn fertigen zu können. 54 kg Holz benötigt von Allmen für die Herstellung eines Exemplares. Das fertige Instrument wiegt am Schluss gerade mal noch 2,8 Kilogramm. Der Rest ist Abfallholz. Den vorderen Teil des Alphorns, den so genannten Becher, fertigt von Allmen in zwei Teilen auf einer CNC-Maschine. Etwa 20 Stunden benötigt die Maschine, um die zwei Rohlinge aus dem Holz zu fräsen. Das Programm dafür hat der findige Handwerker selbst herausgetüftelt. Die zwei weiteren Teile des Alphorns, das Mittelstück und das Handrohr, werden auf einer Drehbank gedrechselt. Zusammengesteckt erreicht das dreiteilige Alphorn eine Länge von zirka 3,5 Meter
240 Meter Peddigrohr
Bevor das Instrument fertiggestellt werden kann, müssen sämtliche Oberflächen fein geschliffen werden. Dies geschieht von Hand und dauert gegen 15 Stunden. Danach wird das Holz lackiert und das Rohr zum Schutz sowie als Zierde mit 240 Meter Peddigrohr umwickelt. Je nach Wunsch des Kunden wird der Becher mit einer dekorativen Malerei versehen. Auf Schnitzereien in diesem Bereich verzichtet von Allmen gänzlich, wie er betont. «Der Klangkörper würde sich verändern und das ist nicht mein Bestreben.» Im Schnitt benötigt der Oberaargauer 50 Stunden, bis aus dem Bergfichtenstamm aus dem Berner Oberland ein Alphorn der Marke «Bernatone» geworden ist. So nennt von Allmen seine von ihm geschaffenen Instrumente, von denen jährlich etwa 100 Exemplare die Niederbipper Werkstatt verlassen.
Sechsteiliges Alphorn entwickelt
Wer bei von Allmen ein Alphorn kaufen will, muss sich in Geduld üben. Die Lieferfrist beträgt derzeit drei Monate. Dafür bekommt der Käufer ein Instrument, das mit viel Leidenschaft gefertigt wurde, wie von Allmen versichert. Dies kommt einerseits beim schönen Ton zu Ausdruck, welchen von Allmen mittels eines «zylindrischen Elements » im Handrohr zum Erklingen bringt. Was darunter genau zu verstehen ist, wollte von Allmen nicht verraten. «Berufsgeheimnis», meint er verschmitzt lächelnd. Dieselbe Technik wendet er übrigens bei seinen von ihm kreierten Mundstücken aus Buchs-, Rosen-, Oliven-, Ebenholz sowie anderen Edelhölzern an. Von Allmen wagt sich auch auf neues Terrain. So hat er kürzlich als Weltneuheit ein sechsteiliges Alphorn entwickelt, dessen 70 Zentimeter lange Stücke problemlos in einen Rucksack verpackt werden können. Als Besonderheit bietet er zudem ein so genanntes Alpensaxofon an, welches sich gemäss von Allmen blastechnisch gleich spielen lässt wie ein Alphorn.
Stolz auf das Geschaffene
Ein «normales» Alphorn kostet bei Arnold von Allmen im Schnitt 3350 Franken, ein zusätzliches Handrohr 400 Franken. Für eines seiner «MundArt»- Mundstücke verlangt er 98 Franken. Auf seine Markenprodukte gewährt er eine Garantie von mindestens fünf Jahren. Wenn von Allmen an Jodlerfesten von ihm gefertigte Instrumente entdeckt, ist er auch ein wenig stolz auf das, was er geschaffen hat. Selbst aufzuspielen sei aber nicht sein Ansinnen. «Lieber arbeite ich noch weitere 20 Jahre als Alphornbauer, das ist meine wirkliche Passion.»